Zugegeben, so ein bisschen ansteckend ist der Marie-Kondo-Hype schon. Die Festival-Saison naht und es wird Zeit, Platz in meinem Keller zu schaffen. Das Zelt steht in der letzten Ecke, der Kleiderschrank mit meiner Gewandung ist nicht zugänglich und ich habe schlichtweg keine Ahnung, in welcher Kiste sich was befindet. Tatsachen, die sich in den nächsten zwei Wochen ändern müssen. 

Ärmel hochgekrempelt und los geht es. Doch es gibt Dinge, die einem vorher keiner sagt. 

1. Es wird erst schlimmer, bevor es besser wird. 

Am Montag habe ich mir etwas vorgenommen, was ich schon sehr, sehr, sehr, sehr lange vor mir hergeschoben habe: den Keller aufräumen. Ich habe die Ärmel hochgeschoben und dachte mir noch: “Let’s Marie Kondo the sh** out of this place!”, bevor dann relativ zügig die Ernüchterung einsetzte.

Lasst mich ein bisschen weiter ausholen, damit ihr mir folgen könnt. Im Januar 2018 bin ich in meine heutige Wohnung eingezogen. Da ich recht viel Camping-Ausrüstung, Reise-Utensilien, Kostüme und historische Gewandung besitze, war ein Keller für mich ein wichtiges Kriterium bei der Wohnungssuche. Der Umzug selbst fand anlässlich und zeitlich kurz nach der Trennung von meinem Ex-Mann statt. Nachdem ich mit der Unterstützung eines Umzugsunternehmens an einem einzigen Tag meinen gesamten Besitz aus der vorherigen, gemeinsamen Wohnung in meine neue Wohnung verfrachtet habe, wurde es erst einmal still. Dies war die Zeit für mich, meine Wunden zu lecken, denn auch wenn ich die Trennung initiiert habe, war ich doch ebenso traurig und oft einsam. Viele Umzugskartons und auch der Kleiderschrank für meine Kostüme und Gewandung wanderten daher ungesehen, verschlossen und zerlegt in den besagten Keller.

Im Frühjahr 2018 näherte sich die Festival-Saison, doch ich konnte mich nicht dazu aufraffen, den Keller in Ordnung zu bringen. Ich wühlte mich also durch das Chaos, bis ich das Wesentliche gefunden habe und schlug mich so bis zum Winter durch.

Noch nicht schlimm genug überkam mich im Herbst noch ein Minimalismus-Anfall, indem ich meine Wohnung aufräumte. Es gab einigen Besitz, von welchem ich mich trennen wollte, doch dies wollte ich verantwortungsvoll erledigen. Da ich keine Zeit hatte, mich weiter damit zu befassen, landete wieder einiges im Keller. Man konnte mittlerweile den Raum nicht mehr betreten.

Jedes Mal, wenn ich etwas aus dem Keller holen wollte, war ich selbst erschrocken und beschämt über diesen Zustand. Ich sehe mich selbst nicht als eine Person, die Aufgaben vor sich herschiebt, doch in dem Fall habe ich es getan.

Vor Kurzem wurde mir klar: Hoppla, ein Jahr ist rum und es steht wieder die Festival-Saison vor der Tür. Kurzer Hand habe ich dann den halben Kellerraum ausgeräumt, den Kleiderschrank aufgebaut, vier Umzugskartons in diesen verräumt und alles was noch auf dem Flur stand wieder hinein gepuzzelt. So weit, so gut. Blieben noch vier Umzugskartons und das seit dem Umzug zusätzlich angesammelte Chaos übrig.

Jetzt wird es Zeit, Ernst zu machen. Das Projekt Zwölf Dinge hat mich in vielerlei Hinsicht schon auf einen anderen Weg gebracht und ich will jetzt endlich etwas bewegen und nicht mehr nur zusehen. Ach ja… Und dann ist das noch das erste Festival, zu dem ich am 26.04. fahre. Bis vor Kurzem dachte ich mir noch: “Ach, das ist ja erst nächsten Monat.”. Doch jetzt gilt das nicht mehr und plötzlich wird es knapp.

Voller Tatendrang habe ich mir also am Montag zwei Umzugskartons aus dem Keller in die Wohnung geholt, den Inhalt im Wohnzimmer verteilt und festgestellt: Das ist Besitz, von dem ich mich trennen möchte. Aber verantwortungsvoll. Und jetzt habe ich nicht nur Chaos im Keller, sondern auch in der Wohnung. Yay!

Von meiner Mutter habe ich folgenden Spruch aufgenommen: “Es muss erst schlimmer werden, bevor es besser wird.” Meine Mutter hatte recht.

2. Wie viele Dinge ich besitze 

Nach dem ich nun festgestellt hatte, dass in den zwei Kartons nichts war, mit dem ich sofort weitermachen konnte oder wollte, nahm ich mir ein Regal in meinem Schlafzimmer vor. Ich sortierte meine Schuhe und Handtaschen aus. Schnell erledigt, da ich nicht besonders viel von diesen Dingen besitze. Nichts von dem, was ich aussortiert habe, hätte nach meiner Einschätzung noch irgendjemandem Freude bereitet, also konnte ich mich kurzfristig von dem Besitz trennen. Eine Mülltüte wurde voll und ich sah mich um, nur um nüchtern festzustellen: Man sieht gar keinen Unterschied.

Tatsächlich finde ich es erschreckend, wie viele Dinge ich besitze. Ich bin nicht mal ein Shopaholic und pflege auch keine Sammelleidenschaften. Ich kaufe nur das Nötigste und trage Kleidung lange auf. Doch selbst ich besitze so viel, dass eine Mülltüte voll dankbar entlassener Handtaschen und Schuhe keinen Unterschied erkennen lässt. Ich bin schockiert.

Die Frage danach, wie viel man besitzt und wie viel davon man wirklich braucht, beschäftigt nicht nur mich. Vor einiger Zeit ging ein Hype durch die Online-Szene, in dem es um Challenges ging, bei denen man für einen gewissen Zeitraum mit sehr wenig zurechtkommen muss. Eine Woche mit 100 Dingen zum Beispiel.

Eine andere Möglichkeit sich seines Besitzes bewusst zu werden ist es einfach ein Mal durchzuzählen. Wie viele Dinge besitzt ihr? Habt ihr schon mal gezählt? Könntet ihr spontan sagen, wie viele T-Shirts ihr besitzt? Oder bleiben wir bei den Handtaschen. Ich habe mich von zwei Taschen getrennt. Es bleiben (vorläufig) vier zurück. Denke ich. Am liebsten würde ich gerade aufspringen, ins Schlafzimmer laufen und nachzählen. Doch nehmen wir an es wären vier. Warum vier? Wie viele brauche ich? Eine. Vielleicht zwei. Eine Große, eine Kleine. Ich plane deshalb, mich von noch mehr zu trennen. Nicht nur im Bereich Taschen. Das war jetzt nur ein Beispiel und – zugegeben – die Spitze des Eisbergs. 

3. Wie schwer es sein kann, sich von Dingen zu trennen

Grundsätzlich halte ich mich für wenig materialistisch und eher rational. Entsprechend überrascht war ich beim Aussortieren, als ich feststellte, wie sehr ich an manchen Dingen festhalte, selbst wenn ich sie nicht mehr benötige oder mag. Ich habe in den letzten Jahren verschiedene Gründe identifiziert, warum ich Dinge behalten möchte:

  • Ich fühle mich verpflichtet, Gegenstände zu behalten, die mir jemand geschenkt hat.
  • Ich denke an den einen möglichen Fall, in dem ich die Sache noch brauchen könnte.
  • Mir geht durch den Kopf, wie viel mich die Anschaffung gekostet hat und ich scheue davor, den Besitz weit unter Neupreis zu verkaufen oder zu entsorgen.

Was meiner eigenen Meinung nach aus diesen Gedanken spricht, sind Schuldgefühle und Verlustängste. Ich finde es verrückt, wie sehr ich an Dingen festhalte, die mich im Grunde nur belasten. Mit diesen Gefühlen und unverarbeiteten Themen aus der Vergangenheit möchte ich ebenfalls aufräumen. An dieser Stelle jedoch versuche ich zunächst, die Gegenstände von den Emotionen zu trennen. Ich nehme die Gedanken auf, um mich später mit ihnen auseinandersetzen zu können, und trenne mich von den materiellen Symbolen. 

Es mag Gegenstände geben, die ich als Erinnerung an etwas behalte. Eine Postkarte oder ein Brief. Diese liegen bei mir in Kisten oder Schubladen. Natürlich will ich sie nicht einfach wegwerfen. Deshalb mache ich von solchen Stücken, die ich nicht verlieren aber auch nicht langfristig behalten und ansammeln will, ein Foto. So kann ich mir die Erinnerung immer wieder hervorholen, ohne meine Wohnung vollzustopfen. Außerdem glaube ich, dass ich mir die Fotos sogar häufiger ansehen werde, als in den Keller zu steigen und in alten Kisten zu kramen. Was denkt ihr?

4. Wie viel Arbeit eine verantwortungsvolle Trennung vom Besitz ist

Mich von Gegenständen zu trennen fällt mir deutlich einfacher, wenn ich weiß, dass jemand anders noch Freude daran haben wird. Außerdem mag ich es grundsätzlich nicht, etwas wegzuschmeißen, was noch in einem guten Zustand ist. Das gilt für Lebensmittel genauso wie für Bücher, Möbel oder Kleidung.

Alle Dinge, von denen ich mich trennen möchte, teile ich deshalb zunächst in drei Kategorien ein:

  • Verkaufen
  • Verschenken
  • Entsorgen

Das hilft mir, um dem ganzen Chaos wieder eine Struktur zu geben. Sonst fühle ich mich von dem Haufen vor mir direkt erschlagen und entmutigt. Die Dinge in drei Kategorien einzuteilen macht das ganze Vorgehen für mich wieder beherrschbar.

Auf den Haufen “Verkaufen” kommt logischerweise alles, was ich für veräußerbar halte. Häufig checke ich dies in dem ich die gleichen Gegenstände auf Ebay suche. Manchmal kann ich das auch selbst einschätzen. Auf den Stapel kommt auch alles, von dem ich denke, dass es noch etwas wert sein sollte. Wobei ich schon die Erfahrung gemacht habe, dass man sich dabei täuschen kann.

Alles, was sich nicht mehr zu Geld machen lässt, jedoch noch in einem guten Zustand ist, möchte ich verschenken. Damit meine ich die Weitergabe an Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder ebenso wie die Gabe als Spenden für einen guten Zweck.

Entsorgt wird nur das, was beim besten Willen unter “Verkaufen” oder “Verschenken” keinen Platz findet.

Ich nenne dieses Vorgehen verantwortungsvolle Trennung.

Tipps für eine verantwortungsvolle Trennung

Gehen wir rückwärts durch. Entsorgen sollte jedem ein Begriff sein. Bitte geht auch hierbei verantwortungsvoll vor. Ich erkundige mich auf der Website der lokalen Wertstoffhöfe, was ich dort loswerden kann. Der Kölner Betrieb stellt auch Informationen zu Verfügung, was in den Hausmüll gehört und was nicht. Für mich ist es echt wichtig, alles was man recyceln kann dem Wertstoffkreislauf hinzuzufügen und nur das als Restmüll zu entsorgen, was wirklich solcher ist. In Köln gibt es auch die Möglichkeit ein Mal jährlich den Sperrmüll nach Hause kommen zu lassen. Für Fahrer eines Kleinwagens (wie mich) eine tolle Sache.

Wie man Dinge verschenkt, muss ich wohl nicht groß erklären. Häufig habe ich direkt jemanden im Kopf, der es brauchen kann. Wenn nicht, poste ich ein Foto in den sozialen Medien.

Zum Verkaufen gibt es unzählige Tipps. Wenn ich eine Sache zum ersten Mal verkaufen will und keine Erfahrungen habe (Stichwort Brautkleid), lese ich mich zuerst in das Thema ein. Im Netz findet ihr Erfahrungsberichte, Forenbeiträge oder Blogbeiträge zu solchen Themen. Dort findet man Tipps zum Inserieren und auch Hinweise, wo man was verkauft bekommt. Die richtige Plattform zu finden scheint ein Geheimnis für den Verkaufserfolg zu sein. In den letzten Jahren habe ich aufgrund von Umzügen immer mal wieder ausgemistet und ich kann euch folgende Empfehlungen (unbezahlt) geben:

  • Bücher, CDs, DVDs – Momox, Ebay
  • Kleidung – remixshop, Kleiderkreisel, Ebay
  • Möbel – Ebay Kleinanzeigen

Unter den oben genannten sind auch Anbieter wie Momox und remixshop, die für euch den Besitz an den Markt bringen. Dafür nehmen sie selbstverständlich einen Teil des Betrags an sich. Für mich ist das dennoch eine gute Option, wenn ich gerade keine Zeit habe, die Gegenstände zu fotografieren und Inserate zu schreiben. Wenn ihr selbst verkauft, ist euer Gewinn in der Regel höher. Ich persönlich schätze jedoch auch meine Freizeit.

Leider habe ich noch keine Faustformel, bei welchen Gegenstände es sich lohnt, sich selbst ran zu setzen und welche man getrost an Dienstleister geben kann. Wenn ihr dazu Tipps habt, schreibt mir doch bitte. Auch für weitere Empfehlungen zu dem Thema sind ich und die anderen Leser dankbar. Hinterlasst uns dazu bitte einen Kommentar, wenn ihr Tipps habt.

5. Am Anfang fühle ich mich belasteter und nicht freier. 

Die Summe der zuvor genannten Punkte führt dazu, dass ich mich beim Aufräumen erst einmal belasteter fühle und nicht befreiter. Die Wohnung versinkt im Chaos, es fällt mir schwer, mich von Dingen zu trennen, und wenn ich mich für eine Trennung entscheide, ist es in der Regel mit viel Aufwand verbunden, diese verantwortungsvoll vorzunehmen.

Bei einer Folge “Aufräumen mit Marie Kondo” auf Netflix sah das alles irgendwie entspannender und befreiender aus. 

Niemals aufgeben

Für mich geht es nach dem Bloggen nun weiter an die Arbeit. Denn auch wenn ich den Prozess sehr anstrengend und belastend finde, weiß ich doch, wofür ich es mache. Mich motiviert die Vorstellung von einem aufgeräumten Keller und einer ordentlichen Wohnung. Außerdem habe ich die Hoffnung, durch die Aktion auch ein bisschen die Urlaubskasse aufzubessern. Das Wetter weckt in mir zudem den Wunsch nach Frühjahrsputz. Der gestaltet sich natürlich auch einfacher, je weniger Zeug man herumräumen muss. 

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag, frohes Ausmisten an diejenigen, die mitmachen wollen, und uns allen eine gute Reise!

Eure Christina

 

Photo by Onur Bahçıvancılar on Unsplash

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2 Comments

  1. Deine Liste für Verkäufe ist schon ganz gut!
    Ich hatte mir noch die App shpock geholt so als lokale flohmarkt Variante. Den meisten Kram hab ich im Juni oder so tatsächlich auf einem hinterhofflohmarkt meines veedels verkauft 🙂

    1. Danke, Mel! Shpock habe ich ganz vergessen. 🙂 An einen Flohmarkt habe ich noch gar nicht gedacht!!! Was hast du dort verkauft? Eher Haushaltswaren oder auch die von mir bereits aufgeführten Dinge?

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