Manchmal muss ich schon über mich selbst schmunzeln. Ok, oft. Ok, es ist manchmal nicht nur ein Schmunzeln sondern auch ein Kopfschütteln. Zum Beispiel heute…

In Köln ist es gerade sehr windig. Schon den ganzen Vormittag höre ich, wie der Wind ums Haus jagt und sein Lied spielt. Meinem Vorsatz, die Welt um mich herum bewusster wahrzunehmen, folgend, habe ich gerade die Balkontür geöffnet und dem Wind gelauscht. Intuitiv bin ich ein paar Schritte nach draußen gegangen. Der Wind hat mich regelrecht hin und her geschubst. Ein paar spielerische Regentropfen habe ich auch abbekommen und ich habe das Gefühl genossen so unmittelbar in der Natur zu sein. Selbst hier mitten in der Großstadt. 

Als ich mich umsah, entdeckte ich in einer Ecke plötzlich etwas Erstaunliches. Im vergangenen Sommer wurde die Fassade von dem Haus, in dem ich wohne, gestrichen. Im Zuge dessen haben die Maler den Balkon frei geräumt und einige Blumentöpfe zur Seite gestellt, damit sie Platz für ihr Gerüst hatten. Bis die Arbeiten beendet und das Gerüst abgebaut waren, war der Sommer fast vorüber. Ich habe die Blumentöpfe, die ohnehin nicht bepflanzt waren, achtlos in der Ecke stehen lassen. Dort stehen sie heute noch.

Gerade habe ich entdeckt, dass in einem der Töpfe offenbar schon seit einiger Zeit Tulpen sprießen. Für euch habe ein Foto aufgenommen und diesem Beitrag hinzugefügt. Ich war ehrlich überrascht. Es muss sich um die Triebe von Tulpenzwiebeln handeln, die ich vor anderthalb Jahren für den Frühling 2018 gepflanzt habe. Mir war nicht klar, dass sich diese ohne meine Pflege halten würden und ich habe nicht damit gerechnet, dass in diesem Frühling Tulpen auf meinem Balkon wachsen würden.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr mich das kleine Grün gerade freut. Wie ihr wisst, ist es eins meiner Ziele in diesem Jahr, eigenes Gemüse anzupflanzen. In den vergangenen Jahren habe ich für den Frühling immer ein paar Blumen gepflanzt. Im letzten Herbst habe ich solche Dinge aus den Augen verloren und keine Vorkehrungen getroffen. Jetzt gerade wird mir klar, welche Freude ich mir selbst damit genommen habe. 

Doch die Natur hat mich trotzdem beschenkt und ich bin sehr dankbar für das kleine Wunder in der Rumpelecke auf meinem Balkon. Ihr könnt euch vorstellen, was ich heute Abend auf dem Zettelchen für mein Dankbarkeitsglas notieren werde.

Ein bisschen frage ich mich, ob die Tulpen mir sagen wollen, dass sie immer noch da sind, auch wenn ich ihnen keine Aufmerksamkeit geschenkt habe. So wie vieles in mir, was blühen möchte, und nur darauf wartet, dass der Frühling kommt. Es ist nicht verschollen sondern immer noch ein Teil von mir. Wird es Zeit, mein Potenzial zu entfalten? Oder will ich lieber auf den Frühling warten?  

Ich freue mich gerade sehr. Doch der Fund macht mich auch nachdenklich. Mir kommt der Gedanke, dass ich die Tulpen gar nicht verdient habe, weil ich mich nicht um sie gekümmert habe. Wie oft stellen wir Dinge in eine Ecke und vergessen sie dann? Wie oft entgeht uns im Alltag die Schönheit, weil wir einfach nicht hinsehen? Weil wir mit unseren Gedanken ganz woanders sind statt präsent zu sein und unsere Umgebung bewusst wahrzunehmen. Ich selbst bin jemand, der sich viel Druck macht und im Stress dann einen Tunnelblick bekommt. Dann vernachlässige ich mich selbst, meine Mitmenschen und ganz bestimmt meine Umwelt. Für mich war der kleine Ausflug auf den Balkon heute eine Erinnerung daran, dass wir uns öfter die Zeit nehmen sollten, uns umzusehen. Denn das Leben hält viele kleine Wunder für uns bereit, an denen wir uns erfreuen dürfen.

Mein Wort zum Sonntag. 🙂 

Gute Reise uns allen!

Eure Christina

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