“See the line where the sky meets the sea? It calls me” aus “How far I’ll go” (Disney – Vaina)

Seit ich mich erinnern kann bin ich das, was man dort, wo ich geboren wurde, als Wasserratte bezeichnet. Obwohl ich in einer Kleinstadt mit kaum 17.000 Einwohnern aufgewachsen bin, komme ich auch aus einer Stadt mit einem Strand. Und einer Insel. Im Sommer waren wir fast täglich im Wasser. Als mein letzter Partner mir vom Tauchen erzählte hatte ich eine Todesangst. Trotzdem wusste ich, dass ich es lieben würde. So kam es auch. Nicht ohne Grund habe ich 2016 darüber nachgedacht, auszuwandern und als Tauchlehrerin zu arbeiten. In diesem Jahr will ich lernen, wie man surft. Das Meer, es ruft mich. Doch der Ruf des Meeres ist für mich nur ein Symbol für so viel mehr. 

Wie Vaina in Disneys Animationsfilm spüre ich den Ruf des Meeres. Ich habe fernweh. Seit ich meine Heimatstadt verlassen habe, war es für mich immer eine Grundvoraussetzung, dass durch die Stadt, in der ich lebe, wenigstens ein Fluss fliest. Ich wünsche mir, eines Tages eine Ferienwohnung oder ein Haus am Meer zu besitzen. Ob das nun die Nordsee ist oder die Karibik, das ist mir nahezu einerlei. Ich liebe das Wasser. 

Doch in dem Disney-Film, der mich zum heutigen Beitrag inspiriert hat, geht es um mehr als die Liebe zum Meer. Es geht für unsere junge Heldin darum, sich selbst zu finden, Mut zu beweisen, über ihre eigenen Grenzen zu gehen und sich gegen die Vorstellungen ihrer Eltern für eine gefährliche Reise zu entscheiden. Weil sie in sich spürt, dass es das Richtige ist. 

“I wish I could be the perfect daughter
But I come back to the water, no matter how hard I try”

Ich wünschte, ich wäre wie sie. Selbstverständlich ist es nicht realistisch, sich an einem fiktiven Charakter zu messen. Umso mehr, wenn er von Disney verfilmt wurde. Trotzdem spüre ich in mir dieses Verlangen. Ich habe noch nie viel Wert darauf gelegt, mich an die Regeln zu halten. Die Vorstellungen unserer Gesellschaft interessieren mich maximal so weit wie sie zu meinem Vorteil sind. So etwas wie “normal” gibt es für mich nicht. In letzter Zeit denke ich immer wieder: Ich kann nicht mehr. 

Mein eigenes Leben kommt mir klein und unbedeutend vor. Und das nicht erst seit gestern. Nachdem ich mich von meinem letzten Partner getrennt habe, ist mir klar geworden, dass ich in ihm etwas gesucht habe, was ich nur in mir selbst finden kann. Ich wollte, dass er mein Leben bereichert, mir neue Wege zeigt, mich neuen Menschen vorstellt und mich inspiriert. Er sollte mich zu einer besseren Version meiner selbst machen. Gleichzeitig wollte ich von ihm so oft es ging hören, dass er mich so liebt, wie ich bin. Aufgrund meiner Formulierung wisst ihr, wie die Geschichte ausgeht und aus heutiger Sicht bin nicht mal mehr ich überrascht darüber: Es hat nicht funktioniert. Es tut mir von Herzen leid, denn ich habe nicht wirklich ihn geliebt, sondern eine Vorstellung von mir mit ihm. 

Es scheint mir an der Zeit zu sein, die Segel zu setzen und mir selbst zu begegnen. Es ist schwer zu sagen, ob das Zitat echt ist, doch Einstein wird oft nachgesagt er habe unterstellt, dass wahnsinnig derjenige ist, der immer das Gleiche versucht und ein anderes Ergebnis erwartet. Ich bin so jemand. Seit Jahren halte ich mich klein. Ich tue das, was ich kann, nicht das, was ich will. Trotzdem erwarte ich, dass ich eines Tages zu mir selbst finden werde. Wie denn?! 

In den letzten Wochen ist mir klar geworden, dass ich weiter gehen muss. Die Ziele, die ich mir für 2019 gestellt habe, die Zwölf Dinge, kommen mir schon heute zu klein vor. 

“if I go there’s just no telling how far I’ll go” geht unser Song weiter. Ebenso fühle ich mich. Noch traue ich mich nicht, aufzubrechen. Doch ich spüre in mir eine Kraft. Wenn ich einmal los lasse und meine Reise beginne, dann weiß ich nicht, wie weit sie mich bringen wird. 

Kürzlich hatte ich einen Traum. Ich bin unverhofft zu viel Geld gekommen. Wenn ich mir das vorstelle, weiß ich sofort, was ich tun würde. 

In meinen ersten Beiträgen habe ich euch erzählt, dass die Idee zu diesem Blog aus einem Online-Coaching entstanden ist. Eine der Übungen drehte sich darum, was wir machen würden, wenn wir wüssten, dass wir bald sterben werden. Was würdest du machen, wenn du wüsstest dass du in einem Jahr sterben musst? Und wenn es nur ein Monat wäre? 

“Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du nicht scheitern könntest?” war eine andere Frage in dem Coaching der lieben Marilena Berends

Nehmt ein unverhofftes Erbe, einen Lottogewinn oder eine schwerwiegende Diagnose. Wann immer ich ein solches Setting wähle und mich frage, was für ein Leben ich führen würde: Es wäre nicht das gleiche wie heute. Nicht annähernd. Bei näherer Betrachtung erscheint es mir nur sinnvoll, meinen Herzenswünschen so schnell wie möglich und ohne einen solchen Anlass nachzugehen. 

Im Song “Brennen” von Feine Sahne Fischfilet gibt es eine Stelle, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht, seit ich sie zum ersten Mal gehört habe:

Frag dich selbst, bist du glücklich mit deinem Leben?
Ist das, was du machst, wirklich das, was du machen möchtest?
Sparst du Zeit, und wofür sparst du sie?
Wenn es einen Film über dein Leben geben würde, würdest du ihn anschauen, würde er dich faszinieren?
Sechs Euro für eine Stunde auf der Arbeit
Was würdest du zahlen für eine Stunde an einem sonnigen Tag im Park?
Würdest du in deinem Leben etwas anders machen, wenn du wüsstest, dass du nächstes Jahr stirbst?
Was sagt dir, dass du dann überhaupt noch lebst?

Ich will ein Tattoo, aber ich lasse es mir nicht stechen. Ich will Violine spielen können, aber ich probe nicht. Ich möchte lernen Russisch zu sprechen, aber ich übe nicht. Ich will nicht im Büro arbeiten und doch habe ich BWL studiert. Wann werde ich aufhören, mich selbst zu betrügen? Wann höre ich auf, das zu tun, was ich kann? Wann werde ich stattdessen das wagen, was ich will? Nichts ist mir wichtiger als meine Freiheit. Warum zur Hölle habe ich dann jung geheiratet? Warum habe ich einen Arbeitsvertrag unterzeichnet und meine Lebenszeit verkauft? Warum habe ich einen festen Wohnsitz? 

Ich sage es euch: Angst hält mich zurück. Ich bin voller Zweifel.

Leider finde ich das Zitat dazu nicht, doch ein sehr guter Freund hat mir vor vielen Jahren gesagt “People would rather kill themselves than face the unknown.”. Menschen würden sich lieber umbringen statt sich dem Ungewissen zu stellen. Bei Gott, er hatte Recht. Ich habe mich selbst so nie gesehen und ich will es auch jetzt nicht wahr haben, doch es stimmt. 

Häufig kommen mir die besten Erkenntnisse morgens im Bad. Wenn ich auf Autopilot meine Morgenroutine durchlaufe und mein Gehirn Kapazitäten für mehr hat. Heute Morgen dachte ich, dass dieser Blog, die Zwölf Dinge, die Gewohnheiten, die ich dieses Jahr etablieren möchte, vielleicht alles nur Ablenkungsmanöver sind. In meiner aktuellen Lebenssituation halten sie mich fest und geben mir das Gefühl, glücklicher zu sein und voran zu kommen. Aber wie weit wird das reichen? Langsam steigt in mir das Gefühl auf, dass ich etwas radikaler an die ganze Sache heran gehen muss.

Damit schließe ich für heute. Das war ein ungewöhnlicher Post und ich weiß nicht, ob ihr daraus besonders viel mitnehmen könnt. Ich selbst weiß gerade nicht, wo es für mich hingeht. Nur eines kann ich euch versprechen: Mir auf diesem Weg zu folgen wird spannend.

Gute Reise uns allen!

Eure Christina

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2 Comments

  1. Toller Beitrag. Mit vielen total verschiedenen Schwerpunkten. Und am Ende doch irgendwie in eine Richtung. Spannend geschrieben. – Danke fürs Teilen deiner Gedanken.

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