Willkommen im Surfer-Paradies! In meinem letzten Beitrag habe ich euch erzählt, warum ich mich nach Bali aufgemacht habe, um das Surfen zu lernen. Gestern hatte ich meine erste Unterrichtseinheit. Heute mache ich eine Pause. Zeit euch zu erzählen, wie es gelaufen ist. 

Im letzten Beitrag habe ich euch gebeichtet, dass ich einen Glaubenssatz in mir verankert habe. Er lautet “Ich bin unsportlich.”. Seit gestern habe ich einen neuen Glaubenssatz: “Ich bin schwach.”. Allerdings ist dies nichts, was ich aus jahrelangem Eintrichtern oder traumatischen Erfahrungen mitgenommen habe. Es ist schlichtweg die Wahrheit. Zumindest jetzt aktuell. Das ist in Ordnung und ich bin froh, wenn ich “Ich bin unsportlich.” zu “Ich bin heute noch schwach.” ändern kann. So habe ich seit gestern einen Ohrwurm im Kopf: “But I’m weak and what’s wrong with that?” aus AJRs Song “Weak”. 

Ich gebe euch heute einen ausführlichen Erfahrungsbericht, doch eines kann ich gleich vorab sagen: Eine gewisse Vorbereitung in Sachen Technik und Muskelaufbau wäre super gewesen. 

Surfen 1.01 – Theorie und Praxis

Als ich zum Strand kam, wurde ich herzlich empfangen. Der Mitarbeiter vom Vortag konnte sich offenbar noch an mich und unsere Verabredung erinnern und begrüßte mich mit meinem Namen. Er rief sodann einen Lehrer für mich an. Bis dieser auftauchen würde, wurde ich versorgt. Man gab mir einen geflochtenen Korb für meine Sachen, Trinkwasser, Sonnenmilch und ein Langarm-Shirt. Die Schmiere fürs Gesicht, die ich am Vortag schon bei meinem Gespräch mit Mona in ihrem Gesicht entdeckt habe, lehnte ich dankend ab. Ich war bereits eingecremt, war mir jedoch nicht sicher, ob das reichen würde. Einen Versuch war es mir trotzdem wert und heute kann ich sagen: richtige Entscheidung. Ich kleines Kellerkind möchte schließlich auch etwas Farbe bekommen. Einen Sonnenbrand habe ich nicht bekommen, Farbe schon. Der Plan ging auf.

Nachdem ich mich bei der Wellblechhütte eingerichtet hatte, tauchte mein Lehrer auf. Er stellte sich als Souzhan (Bitte verzeiht mir, wenn ich die Schreibweise verhauen habe.) vor. Souzhan ist ein Balinese, der nach eigenen Angaben 52 Jahre alt ist und seit 34 Jahren surft. Er sagte, er sei schon surfend auf die Welt gekommen und lachte. Warum ich Surfen lernen möchte oder wie ich darauf gekommen bin, fragte er nicht. Auch nicht, ob ich überhaupt schwimmen kann, ob ich irgendwelche Verletzungen habe, die es zu beachten gibt, oder ähnliches. Stattdessen holte er ein Board aus dem Ständer, ging mit mir Richtung Wasser und erklärte mir dann in gefühlten drei Minuten die fünf Grundregeln des Surfens. Heute kann ich mich noch an zwei davon erinnern. Danach zeigte er mir, wie man auf dem Board liegt, paddelt und – ich war überrascht – aufsteht. Ich habe vor meiner Ankunft hier nicht viel übers Surfen gehört, nur so viel: Die Wenigsten stehen in der ersten Stunde auf dem Board. Folglich habe ich erwartet, dass er mir das erst später zeigen würde. Es sollte sich später herausstellen, dass ich diese Technik nicht umsonst gelernt habe. Ich versuchte mir alles so gut es ging zu merken. Insgesamt haben wir vielleicht zehn Minuten mit der “Schulung” verbracht. Inklusive meiner Trockenübungen. Dann ging es auch schon ins Wasser.

Dies ist in Kürze, was ich zur Surf-Praxis gelernt und umzusetzen versucht habe: Zuerst muss man eine Zeit heraus paddeln, bis man den richtigen Platz gefunden hat. Dann wird das Surfboard herumgedreht, sodass man zum Strand schaut. Danach muss man nur noch auf die richtige Welle warten. Hat man diese gefunden, paddelt man – wie ein Irrer – bis man spürt, dass die Welle einen antreibt und man nicht mehr paddeln muss. Im richtigen Moment steht man auf, dann muss man nur noch die Balance halten, niemanden anfahren und die Zeit genießen.

Ob diese Einführung gereicht hat, um mich aufs Brett zu bringen, erfahrt ihr im Fazit. Vorher verrate ich euch, warum diese Art des Lernens, wenn auch sehr anstrengend und frustrierend, genau mein Ding ist. Vielleicht könnt ihr daraus für eure nächsten Abenteuer etwas mitnehmen.

Learning by Doing – Meine Art etwas Neues zu lernen

Ich bin froh, dass ich ohne Vorbereitung in die erste Unterrichtseinheit gestartet bin. In den letzten Jahren habe ich festgestellt, dass ich so am besten lerne. Frei nach dem Motto “Einfach mal machen” gehe ich erst einmal intuitiv an eine Sache heran. Meist setze ich mich alleine an eine neue App, Software, an ein neues Game, ein neues Musikinstrument, oder, oder, oder. Mir hilft diese Ruhe und Zeit allein um eine erste Vorstellung von der Sache zu erlangen. Beim Surfen war das meiner Meinung nach nicht möglich. Klar, ich hätte mir auch ein Board leihen und einfach darauf los paddeln können. Ich glaube jedoch – gerade nach dem gestrigen Tag -, dass ich nicht besonders viel daraus gezogen hätte. Deshalb habe ich mir in dem Fall von Anfang an einen Lehrer gesucht. 

Bei dem Kaltstart (allein oder mit Unterstützung) kriege ich zunächst eine grobe Idee von dem, was vor mir liegt. Erste Fehlversuche helfen mir, einzuschätzen, wo Herausforderungen auf mich warten. 

Im zweiten Schritt hole ich mir dann Unterstützung. Durch Lehrer, Kurse, Bücher, Videos oder was mir auch gerade in den Kopf kommt. In diesem Schritt stelle ich immer wieder fest, dass mein Kaltstart mir weiter hilft. Dadurch, dass ich bereits eine ungefähre Ahnung habe, kann ich das Gelernte besser einordnen. In meinem Kopf gibt es schon Anknüpfungspunkte und ich kann zudem besonders Acht geben auf das, was ich bereits als potenzielles Problemfeld identifiziert habe. Beim Surfen wusste ich auch ohne erste Erfahrung, dass meine Schwachstelle die fehlende Fitness sein würde. Mit Souzhan habe ich zwar keinen Kaltstart hingelegt, trotzdem ist es für mich vergleichbar, weil er mir wirklich nur ganz grob gesagt hat, was ich zu tun habe. Heute habe ich am Strand andere Surfer beobachtet und konnte mit meinem ersten Eindruck ein paar Dinge von ihnen lernen. Morgen werde ich noch ein paar Beiträge im Netz quer lesen, vielleicht ein paar Videos schauen und dann wird es beim nächsten Mal sicher schon besser klappen. 

Schritt 3 ist nämlich das weitere Training. Nachdem ich einen groben Überblick gewonnen habe, knüpfe ich an meine erste Erfahrung mit Unterricht gleich welcher Art an. Danach widme ich mich dem weiteren Training. Häufig ziehe ich dann im weiteren Verlauf wieder einer Anleitung zurate. In diesem Wechsel kann ich das Gelernte stets direkt ausprobieren, es so besser verinnerlichen und aus Fehlversuchen schnell dazu lernen. 

Wenn ihr euch einem Thema intuitiv nähern wollt, kann ich zusammenfassend folgende Vorgehensweise empfehlen:

  1. Erste Schritte in der Praxis, am besten auf eigene Faust
  2. Nachfragen, Anleitungen jeglicher Form lesen oder ansehen, Reflexion
  3. Weiteres Training
  4. optional: wieder bei Schritt zwei starten bis zur Perfektion

Fazit der ersten Unterrichtseinheit

Nach eineinhalb Stunden haben wir das Training beendet. Ich war froh, am Strand zu sitzen. Meine Erwartungen wurden in jedem Fall übertroffen. Auf verschiedene Art und Weise.

Zum einen muss ich sagen, dass Surfen noch anstrengender ist als ich erwartet habe. Da ich seit Wochen keinen Sport gemacht habe und ohnehin noch nie so etwas wie eine Oberarmmuskulatur besaß, habe ich damit gerechnet, dass es anstrengend wird. Doch es war tatsächlich noch härter als ich mir vorgestellt habe. Die Wellen haben mich immer wieder zurück zum Strand getrieben und es war manchmal sehr frustrierend, wenn ich unter Anstrengung fast am Ziel angekommen war und dann wieder ein paar Meter zurückgetragen wurde. Zwischenzeitlich habe ich sicher mehr als einmal ans Aufgeben gedacht.

Zum anderen konnte ich beim ersten Training bereits ein paar Erfolgserlebnisse verzeichnen. Das Surfen ist tatsächlich genau so, wie ich es mir vorgestellt habe: Der Ritt auf der Welle erfordert ein gewisses Gefühl, fast wie beim Rhythmus oder Takt der Musik. Wenn man zuhört, kann man hören, wann eine Welle kommt und wann sie brechen wird. Nun, wer mich kennt, der weiß, dass ich Musik, Singen und Tanzen über alles liebe. Ich bin froh sagen zu dürfen, dass Souzhan mich für mein Gefühl, wann es Zeit ist aufzustehen mehr als einmal gelobt hat. So habe ich es denn auch tatsächlich dreimal geschafft und einmal sogar richtig lange auf dem Board gestanden. Das Gefühl lässt sich schwer beschreiben. Bis ich realisiert habe, dass ich stehe, war ich nur auf mich, meinen Körper und die richtige Technik im richtigen Moment konzentriert. Doch dann stellte sich plötzlich diese Leichtigkeit ein. Ich konnte das Brett unter meinen Füßen gar nicht mehr spüren, ich hatte eher das Gefühl, dass ich fliege. Als würde ich über dem Wasser schweben. So sehr ich mich auch bemühe, es für euch zu beschreiben, ich fürchte, so ganz gelingt es mir nicht. 

Als weiteren Tageserfolg möchte ich gerne verzeichnet wissen: Ich wurde nicht ein einziges Mal von meinem Board getroffen. Ach ja… Und für alle, die vor meinem Urlaub Sorge darum hatten: Ich wurde auch nicht von einem Hai angefallen. Surfed and survived!

Kommen wir zurück zu dem, was ich mir vom Surfen erwartet habe:

  • Stärke – Definitiv richtig, Sport allgemein und Surfen im Besonderen mit Stärke zu verbinden. Es wäre schön, wenn ich diese bereits mitgebracht hätte. Mit Sicherheit kann ich jedoch auch hier noch welche dazu gewinnen.
  • Mut – Souzhan sagte mir, dass er aus der Ferne gesehen hat, dass mein Timing richtig war. Er sah, wie ich mich im richtigen Moment aufstützte. Doch nicht jedes Mal bin ich auch aufgestanden. Ich hatte Angst, vom Board zu fallen. 
  • Leidenschaft – Egal was ihr tut, tut es mit Leidenschaft. Ich kann nur mein Bestes geben, wenn mir etwas an der Sache liegt, die ich angehe. Ohne Leidenschaft geht es für mich nicht. Meine Liebe zum Wasser hat mich über die Wellen getragen. 
  • Spaß – Oh ja! Von anderthalb Stunden bin ich vielleicht nur wenige Sekunden auf den Wellen geritten. Doch das reicht schon aus. Selbst heute saß ich trotz Muskelkater am Strand und habe den anderen wehmütig zugesehen. Einmal war ich sogar kurz davor, wieder zu der Wellblechhütte zu gehen und trotz Muskelkater anzutreten. Zum Glück bin ich nicht so schnell hochgekommen und die Vernunft konnte siegen. Ich denke mir einfach die ganze Zeit: Noch mal, noch mal, noch mal!!!
  • Austausch mit anderen Menschen – Leider weniger als gedacht. Man macht keine Surfschule in einer Gruppe. Tatsächlich hat man sich hier vor Ort darauf verständigt maximal zwei Schüler pro Lehrer zu nehmen. Nach meinem ersten Tag bin ich davon auch überzeugt. Zwei blutige Anfänger wie ich wären schon mehr als man unter Sicherheitsaspekten vertreten kann. Leider fehlt mir persönlich dann der Austausch wie ich ihn von den Zeiten nach Tauchgängen oder Yoga-Klassen kenne. Schade!

Bonus-Material: Fazit am Tag danach

Aua, aua, aua. Blaue Flecken an den Ellbogen und am Knie sowie Muskelkater in Armen, Schultern und Rücken. Die Druckstellen an den Ellbogen kann ich mir nur so erklären: Bei einer Welle soll ich mich wie in der Kobra (Hallo, Yoga-Freunde) aufs Brett aufstützen. Ich denke, bei einer der heftigeren Wellen ist dann das Brett gegen die Ellbogen geschlagen. Der blaue Fleck am Knie ist dem letzten erfolglosen Versuch noch einmal aufzustehen zu verdanken. Zudem sind die unteren Rippenbögen und mein Venushügel druckempfindlich. Diese Punkte liegen auf dem Brett auf und werden offenbar entsprechend beansprucht. Auch mein Kinn ist druckempfindlich. Das liegt (eigentlich) nicht auf dem Brett auf. Denkt euch, was ihr wollt. 🙂 Zudem habe ich Abschürfungen oben auf den Zehen, da diese Stellen bei meinem Hin- und Hergerutsche Reibung erfahren haben. 

Nichtsdestotrotz: Noch mal, noch mal, noch mal!

Was ich gestern gelernt habe

  • Wie ich mich auf dem Board positionieren muss
  • Wo die Mitte des Boards ist – erstaunlicherweise nicht da, wo ich sie auf dem Brett liegend vermutet habe
  • Wie man richtig paddelt (Theorie)
  • Wenn man zu viel Salzwasser schluckt, wird einem übel.
  • Ich habe einen guten Gleichgewichtssinn und ein Gespür fürs Timing. Trust your instincts.
  • Wenn ich vom Board falle und dies umgedreht wurde, fällt es mir leichter, das Board umzudrehen in dem ich es zu mir herziehe, statt in die andere Richtung zu drehen.
  • Es ist schön die Welle zu reiten, doch je weiter man kommt, desto weiter muss man wieder heraus paddeln.
  • Wenn man erschöpft ist, darf man aufhören. Oder in Anlehnung an den vorherigen Beitrag anders formuliert: Eine “Surfstunde” dauert so lange wie man kann. 
  • Es gibt vom Strand aus einen schöneren Weg zu meiner Unterkunft als den, den ich bisher gegangen bin. 

Für euch habe ich mir die größte Mühe gegeben, meine erste Erfahrung mit dem Surfen so ausführlich wie möglich zu beschreiben. Trotzdem sind bestimmt noch Fragen offen geblieben. Stellt mir diese bitte in den Kommentaren, damit ich sie beantworten kann. 

Wie es weiter geht

Auf jeden Fall werde ich mich noch mal zum Surf-Training begeben. Jetzt gerade bekomme ich meine Arme jedoch kaum zum Notebook. Es ist in Ordnung, heute einen Tag Pause zu machen. Morgen werde ich den Tag mit Freunden verbringen, die gerade auch auf Bali sind. Mel und Marcus sind in Ubud und kommen für einen Tag nach Canggu. Das heißt für mich und meine müden Muskeln zwei Tage Pause. Fühlt sich gerade sehr richtig an. 🙂

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Bis bald und liebe Grüße

Eure Christina

 

Bilder von Christina Fürtsch, Copyright © 2019

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