Heute ernähre ich mich den 29. Tag vegan. Damit habe ich die Vegan-Challenge noch nicht ganz geschafft. Trotzdem möchte ich heute bereits ein kleines Resümee ziehen und einen Ausblick geben, wie es weitergeht. 

30 Tage sind kurz. So kurz, dass ich euch bisher erst einmal von meiner Challenge berichtet habe und nun schon fast am Ende angekommen bin. Wir stellen fest: Ich blogge zu wenig. 

Was bisher geschah

Meine eigene Vegan-Challenge

Im ersten Beitrag zum Thema vegan habe ich kurz umrissen, worum es mir in der Challenge geht. Ich habe die ursprünglich als Vorbild dienende Challenge umgestrickt und nenne meine nun “vegan, aber machbar”. 

Welche Regeln gibt es?

Im Wesentlichen gilt nur eine Regel: Ich nehme keine tierischen Produkte zu mir. Jede Regel hat eine Ausnahme: Getränke sind von der Regel ausgenommen. 

Wann gelten diese Regeln?

Immer. Das ist für mich gleichzeitig die größte Herausforderung. Ich arbeite viel, bin oft unterwegs, gehe gerne aus und bin bei anderen zum Essen eingeladen. All das ist vegan zu absolvieren. 

Welchen Unterschied gibt es zu anderen Challenges?

Attila Hildmann geht in seinem Regelwerk viel weiter. Er definiert zu welcher Tageszeit was gegessen werden darf, schreibt vor ab welcher Uhrzeit nicht mehr gegessen wird, rät von Alkohol / Kaffee / Zigaretten ab, ermutigt zum Sport und (für mich die größte Hürde) eliminiert alle Convenience-Lebensmittel. Sicher gibt es noch weitere Regeln, die mir spontan nicht einfallen. 

Wieso mache ich meine eigenen Regeln?

Von Anfang an habe ich mir das Ziel gesetzt, die vegane Ernährung mittel- vielleicht sogar langfristig in mein Leben zu integrieren. Dafür muss die Ernährungsumstellung machbar sein. Machbar bedeutet für mich, dass sich der Zeitaufwand für Lernen, Kochen und Einkaufen so weit wie möglich in Grenzen hält. Unter Lernen fällt für mich in diesem Zusammenhang das Lesen und Üben von neuen Rezepten sowie jede Auseinandersetzung mit Zutaten und dem Wissen darüber, wie man nicht-vegane Lebensmittel durch andere ersetzt. Zu jeder Ernährungsumstellung gehört das Lernen dazu, ohne die Hilfe von Convenience-Produkten wäre aber noch viel mehr Investition notwendig. Dass nicht jedes Nahrungsmittel frisch zubereitet sein muss, erleichtert mir auch den Einkauf und die Verpflegung unterwegs. Als Gast muss ich zudem nicht jedes kleine Detail des Kochvorgangs kennen um mein Essen genießen zu können. Klingt machbar. 

Worum geht es denn dann überhaupt noch?

Bei so vielen Kompromissen, frage ich mich selbst recht schnell, worum es mir eigentlich geht. 

Vor einigen Jahren habe ich mich schon einmal für eine Zeit lang vegan ernährt. Das waren zwei Jahre irgendwann in der Zeit meines Studiums. Ich schätze 2013-2014. 

In den zwei Jahren ist mir eines klar geworden: Es ist schwer bis unmöglich über vegane Ernährung zu sprechen ohne dass sich andere Menschen in ihrer Ernährungsweise angegriffen fühlen. Egal wie vorsichtig ich formulierte, ich habe damit schlechte Erfahrungen gemacht. Wenn ich also jetzt darüber schreibe, warum ich das mache und du nicht bereit bist, das zu lesen, bitte einmal nach unten scrollen zum nächsten Abschnitt. Danke.

Spätestens bei der Ausnahme mit den Getränken, wird es deutlich: Ich bin moralisch flexibel. Ich stelle meine Ernährung nicht um, weil ich nie wieder auch nicht indirekt einem Tier Leid zufügen möchte. Das hört eigentlich schon im ersten Satz auf. Denn wenn ich von veganer Ernährung spreche, dann mache ich das bewusst. Ich behaupte nicht – habe es nie und werde es nie – dass ich vegan lebe, sondern beschränke mich in der Formulierung bewusst auf die Ernährung. Auch wenn ich nicht mein ganzes Leben umkremple um auf jede Art tierischer Produkte zu verzichten, weiß ich um einige Umstände in der Herstellung unserer Lebensmittel, die mich unter anderem im Studium zu der Umstellung bewogen haben. Ich gehe darauf jetzt nicht weiter ein. Wer interessiert ist, informiert sich bitte selbst. Wer nicht interessiert ist, nimmt bitte zur Kenntnis, dass ich nicht darüber sprechen will, damit nicht der Eindruck entsteht, ich würde missionieren und euch euer Steak wegnehmen wollen. Das ist nicht der Fall. Ich selbst will es nicht mehr essen. Das ist auch schon alles. Auch wenn ich nicht vollständig vegan lebe und bei den Getränken eine Ausnahme mache, freu ich mich über jeden Beitrag, den ich zu der veganen Bewegung leisten kann. 

Neben den moralischen Bedenken und dem Umweltschutz (Belastung des Grundwassers durch Massentierhaltung, CO2-Ausstoß in der Fleischproduktion, etc.) motiviert mich heute vor allem meine eigene Gesundheit. Ich habe festgestellt, dass ich mich fitter, gesunder und leichter fühle, wenn ich mich vegan ernähre. Ich koche – wenn auch nicht immer – frisch und mit einem größeren Anteil Obst und Gemüse. Ich esse bewusster. Insbesondere im Job und unterwegs merke ich deutlich, was ich mir vor ein paar Wochen noch einverleibt hätte ohne groß darüber nachzudenken. Durch das bewusste Essen ernähre ich mich auch ausgewogener. Ja, als Veganer muss man aufpassen, dass man alle Nährstoffe bekommt, die man braucht. Das hätte ich vorher bei mindestens drei Mal Kantine und einmal Fast Food pro Woche jedoch ebenso beherzigen sollen. 

Daneben habe ich in den letzten Wochen noch zwei Erkenntnisse gewonnen. Zum Einen ist mir bewusst geworden, dass vegane Lebensmittel lange nicht so schnell verderben wie tierische Produkte. Nach meinem Einkauf merke ich jedes Mal, dass vieles davon nicht einmal im Kühlschrank untergebracht werden müsste. Viele Obst- und Gemüsesorten halten sehr lange; alle halten jedenfalls länger als Fleisch oder Fisch. Auch Soja- oder Haferdrinks werden nicht so schnell schlecht wie frische Milch. Zum Anderen ist mir beim Kochen aufgefallen, dass ich mit den veganen Lebensmitteln ganz anders umgehe. Ich wasche während dem Kochvorgang nicht so oft meine Hände und wechsle das Schneidebrett oder Messer nicht, wie ich es bei der Zubereitung von Fisch, Fleisch oder während der Arbeit mit rohen Eiern gemacht habe. Auch achte ich nicht so stark auf die Garstufe. Ich weiß, dass ich nahezu alle Lebensmittel, die sich in meinem Vorrat befinden auch roh zu mir nehmen könnte. Das finde ich unglaublich befreiend. 

Fassen wir zusammen: Mit der veganen Ernährung geht es mir einfach besser. 

Wie es nun weitergeht

Seit ich mich vegan ernähre werde ich immer wieder gefragt, wie lange ich das noch machen werde. Weniger positive Menschen haben mich gefragt, wie lange ich das noch machen muss. Die Challenge, die ich mir selbst auferlegt habe um meine Gesundheit zu verbessern, scheint für sie eine Folter zu sein. Ich sehe in ihren Augen die Angst, weil sie sich vorstellen statt Butter künftig Margarine zu verwenden. Sie haben Mitleid mit mir. Ich möchte mich totlachen, behalte meine Gedanken jedoch für mich. Ihre eigentliche Frage kann ich nämlich sehr gut nachvollziehen. Die Challenge neigt sich dem Ende und ich stelle sie mir auch: Was kommt danach?

Bereits nach den ersten Tagen mit veganer Ernährung habe ich angefangen darüber nachzudenken, langfristig dabei zu bleiben. “Vielleicht für immer.”, habe ich deshalb in den letzten Tagen scherzhaft auf obige Fragen geantwortet. Mir hat die Ernährungsweise in Zeiten meines Studiums bereits Spaß gemacht und auch heute tut sie mir gut. Warum habe ich damals damit aufgehört? Es war schwer, mich unterwegs zu versorgen ohne jede Mahlzeit zu Hause vorzubereiten. Ich wollte Gastgebern mit meiner Ernährungsweise nicht zur Last fallen. Doch vor allem gab es zwei Dinge, auf die ich nicht dauerhaft verzichten wollte: Mozzarella und Wurschtsalat. 

So gehe ich heute mit diesen Punkten um:

  • Schwierigkeiten mich unterwegs zu versorgen -> Dies ist heute keine so große Herausforderung mehr. Es gibt fast an jeder Ecke vegane Gerichte und auch veganes Fast Food. Trotzdem versuche ich, mich möglichst gut vorzubereiten in dem ich beispielsweise für die Mittagspause vorkoche. 
  • Wunsch, Gastgebern mit meiner Ernährungsweise nicht zur Last zu fallen -> Heute stelle ich die Bedürfnisse anderer nicht mehr über meine eigenen. Auch dazu gibt es Ausnahmen. Dazu in einem anderen Beitrag mehr. 
  • Verzicht auf Mozzarella und Wurschtsalat -> Damit es langfristig klappt, will ich mir nach und nach meine Rezeptsammlung und Lieblingsgerichte vornehmen und umwandeln. Im Teil 3 zur Vegan-Challenge werde ich euch zeigen, wie ich das für das Rezept “Tortellini-Salat mit Mozzarella” bereits gemacht habe und was dabei raus kam. 

Fakt ist: Es ist heute noch einfacher sich vegan zu ernähren als es vor ca. 6 Jahren war. Während ich diesen Beitrag schreibe wird mir die richtige Antwort auf die Fragen klar: “So lange es Spaß macht.”

Ernährt ihr euch auch vegan? Dann teilt doch eure Lieblingsrezepte mit mir und den anderen Lesern. Oder habt ihr ein Lieblingsessen das nicht vegan ist und das ich umwandeln soll? Das würde mich sehr reizen. Ich freue mich auf eure Kommentare. 

Übrigens: Wenn ihr keinen Beitrag mehr verpassen wollt, könnt ihr meinen Blog auch abonnieren. Da ich keine festen Tage habe an denen ich blogge, spart ihr euch damit die Mühe, immer wieder auf der Webseite nachzusehen. 

Gute Reise uns allen!

Eure Christina

 

Foto von rawpixel.com auf Pexels

Tags:

2 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.